"Sozialraum" - ein Trendbegriff!?
Eine Annäherung an einen für die Soziale Arbeit relevanten Begriff


Von Markus M. Jung


1 Eingang

Es sind der Worte keine. Und doch ist Es. Ist Anfang und Ende im Jetzt. Ist. Ist nicht. Ist. Es herrscht Veränderung – doch ohne Begriff. Noch bevor der erste Gedanke ist gedacht, ist Gefühl. Ist Verhalten. Doch ohne Begriff. Das erste Erkennen ist ohne Begriff. Mit ihr wird die Orientierung geboren. Und mit ihr der Raum. Doch ohne Begriff. Spuren waren im Ist. Ein Echo. Ein Gewesen (von Etwas) im Ist (von Etwas). Ein War. Das Gewesene ins Ist holen. Das Werdende heute vorwegnehmen. Denken wird geboren im Gedanken und ist doch nur ein - vergeht. Zeit wird geboren im Betrachten des Vergänglichen und in der Wiederkehr. Ziele werden geboren. Wege in Gedanken. Doch ohne Begriff. Nichts. Im Unbegriffenen sind Spuren. Ein Kennen. Etwas. Es ist ein Pfad. Es ist ein Weg. Eine Straße. Zwei Dimensionen. Welt. Drei Dimensionen. Vier. Im Luft Raum. Im Welt Raum. Im virtuellen Raum. Im Un-Bewusst-Sein. Im Bewusstsein. Sein.

2  „Sozialraum“ – Aspekte und Begriff
Raumerfahrender Raumerzeuger
Ohne Mensch kein Raum. Die Fähigkeit unsere räumliche Wahrnehmung von Welt zu reflektieren und mit anderen auszutauschen, abzustimmen oder ihnen aufzuzwingen, erzeugt eine Matrix, die auf uns genauso wirkt, wie wir auf sie einwirken und verändern. Ohne Mensch kein Raum und kein Ort. Nirgends. Natürlich. Mit jedem Schritt vermessen wir die Welt. Erzeugen für uns (und andere) eine innere Landkarte von exemplarischer Einmaligkeit. Walter Benjamins Forderung, jeder sollte eine solche innere Landkarte zeichnen – vielleicht, um sich in der Zeit selbst zu erkennen, – macht jedes Leben individuell topografisch, indem es ihm (dem Menschen) das Geheimnis des Verlaufs des eigenen Ariadnefadens gewissermaßen gegen die Zeit in einer Rückschau, also retrospektiv, entreißt und veröffentlicht. 
 
In der Alltagsvorstellung ist der Mensch ein räumliches Wesen das umgeben ist von raum-einnehmenden Dingen und Wesen. Das heißt: sein Körper dehnt sich in drei Dimensionen aus und lässt sich entsprechend beschreiben. Als solcher war und ist der Mensch Orientierung für die Gestaltung seiner Umwelt.[1] Das gilt seit Urzeiten für seine Bekleidung, seine Werkzeuge und seine Behausungen gleichermaßen.

Phänomenologisch betrachtet können im Grunde fünf Dimensionen unterschieden werden, mit deren Hilfe ein gegebener Raum in dem sich Mensch bewegt (z.B. ein Straßenzug) beschrieben werden kann (vgl. OFUBa):
> physikalisch-geographischer Raum: Beschreibung mittels Zahlen und Maßeinheiten; der Raum wird „vermessen“.

> biologisch-körperlicher Raum: Individuell-einzigartige Wahrnehmung unseres Selbst in Raum und Zeit; wir bilden das Zentrum unseres eigenen Universums: die Welt kreist um uns.

> emotionaler Raum: Umwelt, die in diese Zonen eindringt – z.B. die Begegnung mit einem Artgenossen – löst Emotionen aus: Zuneigung, Angst, Gleichgültigkeit. Aber auch unser Handeln wird davon bestimmt, „wie nah uns etwas geht“: Liebe, Hass usw.

> biografischer Raum (Reichweite und Zeit): Auch bei gemeinsamer, zeitgleichen (gegenwärtigen) Nutzung z.B. öffentlicher Räume (Schwimmbad), bleibt jeder Mensch mit sich und seiner eigenen Geschichte vereint. Gleichzeitig befinden sich die Elemente seiner Umgebung in relativer Reichweite zu seinem Körper. Die Umgebung erschließt sich mittels sinnlicher Wahrnehmung, die individuell geprägt ist (sowohl hinsichtlich der Möglichkeiten der Wahrnehmung, z.B. blind/nicht blind, als auch hinsichtlich etwaiger Sinnzuschreibungen, z.B. ein Kunstwerk, schön/nicht schön).
Weitere Faktoren: Welt als wieder herstellbarer Raum (z.B. Objektpermanenz; auf Vergangenheit bezogen), Welt als erreichbarer Raum (z.B. Motivation; auf Zukunft bezogen)

> gesellschaftlicher Raum: Dieser Raum beschreibt die Wirkmöglichkeiten menschlicher Existenz in unterschiedlichen Zonen (primäre Wirkzone: unmittelbares Handeln; sekundäre Wirkzone: Auswirkungen menschlichen Handelns) in Abhängigkeit von Zugang und Nutzbarmachung gesellschaftlicher und/oder individueller Ressourcen.


Der Mensch geht in seiner Existenz als bio-psycho-somatisches Wesen weit über das hinaus, was der Mittelwert einer Reihenvermessung von Körpermaßen zutage fördern kann: Kein Mensch existiert als identisches Abbild eines Anderen. Er verändert sich (in seinen Ausdehnungen) und mithin den ihn umgebenden Raum, der angefüllt ist mit ihn umgebenden Dingen, zu denen er in Beziehung steht oder die er an sich bindet (z.B. durch Rechtsgeschäfte, durch symbolische Aneignung, durch Zuschreibung usw.).


Neben seiner biologischen Existenz, die ihn von seiner Umwelt in besonderem Maße abhängig macht, existiert der Mensch auch als psychisches Wesen, welches eine historische Dimension (den Menschen im Zeitverlauf) einschließt. In der Zeitspanne, zwischen Geburt und Tod, dem Leben, gibt es keine Ruhelosigkeit, ist der Mensch dazu verdammt in Bewegung zu sein. Bewegung wird durch ihn inszeniert, ästhetisiert: unberührte Natur wurde durch ihn in die Natur des Weges transformiert, der mit ganz eigenen Bedeutungen versehen Gesellschaft verändert(e). Wege kanalisieren, beschleunigen, führen hin oder weg oder machen Bewegung zum eigentlichen Antrieb von Existenz und Vollendung („Der Weg ist das Ziel“): Verkehrsnetze, IT-Netzwerke, Mega-Städte. Mit der Bewegung begann auch die physische, psychische und soziale Wirkung des Raumes auf den Menschen (hodological space – Wegeraum. Siehe dazu z.B. Lewin oder Bollnow).
 
Der Mensch befindet sich in seiner Aktualität gewissermaßen zwischen Sein und Werden. Platon entdeckt diesen Existenzraum des Menschen als unausweichliches „Worin“ (vgl. Schroer, S.32). Aristoteles´ Erklärung geht darüber hinaus. Für ihn gehören Bewegung, Raum und Zeit untrennbar zusammen. Alles ist in Bewegung an seinem Ort. Der Ort ist die Zone des Übergangs zwischen Raum und den ihn umschließenden Gegenstand/Körper. Räume lassen sich entsprechend qualitativ unterscheiden (vgl. ebd. S.32f). Orte flirren und schwirren oder ruhen – je nach Körpercharakter.

Raumkonzepte
Diese antike Vorstellung vom Raum als gefülltes Gefäß war Ausgangspunkt intensivster Auseinandersetzungen um den „korrekten“ Raumbegriff. Die Diskussionen kreisten um die Begriffe des „absoluten Raumes“ (Newton) und des „relationalen Raumes“ (Leibnitz). Mit Einstein und seinem „relativen“ Raumbegriff auf Grundlage der Relativitätstheorie wird das absolute Modell Newtons verworfen. „Raum und materielle Körperwelt“ sind ineinander verwoben, stehen nicht nebeneinander, sondern stehen in Beziehung miteinander (vgl. ebd. S.43). Raum und Zeit sind nur relativ zum jeweiligen Bezugssystem zu bestimmen.

Ohne viel Aufhebens bewegt sich der Mensch – so glaubt er - in einem kontinuierlichen und unbewegten Raum. Aber eigentlich bewegt sich der Mensch in einem Raumgebilde das - quasi übergangslos, geradezu gleitend oder stufenlos – seine äußeren Konstituenten im Verhältnis zu seiner Bewegung verändert. Länge, Breite, Höhe – alles ändert sich pausenlos. Auch die Ausstattung dieses Umgebungsraums variiert – ständig. Andere Menschen, Gegenstände, Handlungen. Selbst vermeintliche Konstanten, wie z.B. Natur oder die Architektur, verändern sich bei genauem Hinsehen permanent. Der Mensch bewegt sich in einem Raum, oder der Raum bewegt sich um ihn. Er bezieht sich auf ihn, greift aus diesem, für ihn aktuell präsenten Raum in Vergangenheit und Zukunft – im here and there (z.B. im Online-Spiel „World of Warcraft“).

Konstruktion von Wirklichkeit
Die Wahrnehmung des den Menschen umgebenden Raumes ist abhängig von seinem subjektiv bzw. individuell gegebenen Wahrnehmungsapparat und dessen Eigenschaften (und den programmierten Gegebenheiten in den virtuellen Räumen). So erleben wir unsere Umgebung mit einer Zeitverzögerung von 80ms: das ist die Zeit, die unser Wahrnehmungssystem benötigt, um ein Abbild von Welt zu prozessieren. In Anlehnung an das radikal-konstruktivistische Erkenntnismodell nach v. Glasersfeld, ist Realität nicht das, „was sie uns zu sein scheint, sondern eine soziale Konstruktion sozialer Akteure“ (v. Schlippe S. 12). Über dieses Abbild müssen wir uns in kommunikativen Prozessen mit unserer Umwelt versichern. Raum wird auf diese Weise zum Gegenstand sozialer Interaktion, von sozialem Handeln überhaupt. Die dabei erzählten Geschichten, die „Narrationen“, also die sprachlich vermittelten Bedeutungsmuster, bauen unsere Realitäten auf (vgl. ebd. S.14).

 Die Exploration des physischen Raumes ist in seinem Ergebnis also stark abhängig von der verwendeten oder zur Verfügung stehenden Sensorik und Visualisierungen. Unsere organische Disposition ermöglicht zwar einen dreidimensionalen Raumeindruck, bleibt aber ohne support auf maximal Augenhöhe und Oberflächen begrenzt. Teile seiner Persönlichkeit (Wer oder was surft eigentlich im Internet?) können in Echtzeit in völlig anderen geographischen oder virtuellen Räumen wirken (z.B. Tele-Arbeit, virtuelle Welten): Mit einem „container“-Modell (Einstein), einer Schachtel, in der „Dinge, Menschen und Handlungen“ geordnet und statisch abgebildet werden, können diese Entwicklungen nicht mehr erfasst werden.
 
Medial erweiterte Raumerfahrung
Visuell macht(e) z.B. Kartografie unsere Erfahrung nachvollziehbar, überprüfbar, diskutabel und begreifbar. Malerei und Photografie erweitern Raumerfahrungen um Gefühl und den künstlerischen Blick bzw. ermöglichen es, ausschnitthaft-zeitbezogene Erfahrung zu speichern. Technik erweitert den Wahrnehmungsbereich, z.B. durch Infrarottechnologie oder Film. Auch Technologie, die die Geschwindigkeit der individuellen Bewegung erhöht, verändert die Raumwahrnehmung (Postkutsche, Fahrrad, Eisenbahn, Automobil, Flugzeug, Rakete ...) Die Medien (Buchdruck und Zeitung), aber v.a. die moderne computerbasierte IuK-Technik, veränderte unsere Wahrnehmung und Vorstellung von Raum und Zeit. Die Begrenzungen des Blicks zu überwinden, spiegelt sich in der Kunst parallel oder in Vorwegnahme technischer Entwicklungen mit somatischer Implikation wieder. Der Blick von der Burg, die Entwicklung der Perspektive in der Malerei, die Vogelperspektive, Luftaufnahmen von Flugzeugen, Satellitenaufnahmen, Hubble ...[2] Visualisierungen liefern Erkenntnisse, die durch den Einsatz dieser vermittelnden Technologien gemacht wurden und werden, fließen auch in Stadtplanungsprozesse ein. Schon Le Corbusier nutze Luftaufnahmen, um seine Stadt der Zukunft zu entwerfen.[3] Aufnahmen aus großen Höhen liefern Erkenntnisse über Bodenerosion, Wasserverschmutzung oder die Ausbreitung von „illegalen“ Siedlungen an den Rändern der Megastädte. Charles Eames´ „powers of ten“ ermöglicht es, diese gesellschaftlich relevante Veränderung der Raumerfahrung in 10 Schritten nachzuspüren ohne dabei an die frische Luft zu müssen (www.powersof10.com).

Hat die Konstruktion von Realität etwas mit Nähe, d.h. dem Abstand zum Objekt zu tun? Wächst mit der Distanz die Interpretationswahrscheinlichkeit bzw. -notwendigkeit? Wird Realität zu etwas, dem man sich nur annähern kann? Oder lassen sich durch den Perspektivwechsel gar neue Wahrheiten konstruieren?

Der Weg ins nunmehr „second life“, d.h. die Möglichkeit, die eigene Realität in einer virtuellen Welt abzubilden (Konvergenz) und für eine Wachphase quasi zu verlassen, war für den Menschen weit. Die Jäger und Sammler in ihren Clans bestreiften Reviere, die (Über)Leben ermöglichten. Ihre Raumnutzung war abhängig von ihrem Potential Eingriffe in ihren erprobten Alltagsalgorythmus vornehmen zu können (und zu wollen bzw. zu müssen). Mit dem zahlenmäßigen Anwachsen der Menschheit wurde auch das Leben notwendigerweise differenzierter organisiert. Siedlungen entstanden: soziale Zentren, Orte der Kommunikation (Tausch von Waren, Gütern, Dienstleistungen und Informationen). Integration durch Abgrenzung. Dörfer, Städte, Kulturen, Nationen, Staaten entstehen. Prosperität durch standardisierte Verfahren: Handel, Wettbewerb, Krieg. Immer in Bewegung. Immer begleitet durch die Erfahrung der Begrenztheit. Und dem Bestreben, diese Grenzen zu überwinden.   
Die (moderne) Stadt stellt sich uns dar als bebautes Land mit Mobilitäts- und Aufenthaltsräumen und wird dadurch zu einem spezifischen Raum: Stadtraum (urbaner Raum) eben. Irgendwie doch ein container. Von Planerseite dominiert beim Blick auf die Stadt im Allgemeinen ein naturwissenschaftliches Raumverständnis. Kein Wunder. Die Folge: „Das physikalische Raumbild blendet den funktionalen Kontext der gesellschaftlich-sozialen Inhalte des Raumes völlig aus, als ob der Raum unabhängig von den Menschen, die ihn organisieren und darin leben, eine eigenständige Kategorie sei“ (Schubert 2002, S.161). Für die dort herrschenden Wechselwirkungen zwischen räumlichen Gegebenheiten und sozialen Verhaltensweisen gibt es kaum Interesse bei Architektur und Stadtplanung, konstatiert Feldtkeller (vgl. Feldtkeller 2002, S.105). Noch immer überwiegt in den Köpfen die Trennung der städtischen Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Versorgen, Freizeit und Verkehr), die den Alltag in „säuberlich getrennte Zonen einsortiert“ (Feldtkeller 2002, S.105).[4]

Stadt schließt keine Natur ein. Selbst vermeintlich freier Raum (Baulücken, Konversionsflächen usw.) gilt als „Ort“, ist Stadtlandschaft und damit als Teil eines Netzes (oder der Stadtmaschine) erschlossen und entsprechend – zumindest in den äußeren Grenzen – festgelegt. Der physikalisch-geographische Blick des Architekten sieht im Raum daher etwas, das er mit Mitteln der Architektur gestalten kann (vgl. Feldtkeller 2002, S.105f).

Vor dem Hintergrund des Zweckes, den eine Stadt zu erfüllen hat, erschließt sich ein erster sozialräumlicher Aspekt von gebautem Raum: Zweck einer Stadt ist „die baulich-räumliche Organisierung des gedeihlichen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur“ (Feldtkeller 2002, S.107). Daraus leitet sich die Rolle der Architektur einer Stadt direkt ab: sie soll im Dienste dieses Zweckes wirken und ist damit von sozialräumlicher Bedeutung.

Raum als Produkt sozialen Handelns
Bereits Henri Lefèbvre erkannte in seinen Analysen, dass der naturwissenschaftliche Raumbegriff die Realität in den Stadtquartieren nur ungenügend abbildet. Mit seinem Text „Raum als soziales Produkt“ (1974) zeigt er, dass Raum immer sozial produziert ist und stellt fest:

> Raum ist zur Handelsware geworden: man kann ihn Kaufen, Verkaufen oder Tauschen. Daher gehört er in den Bereich der Produktion.

> Der Mensch, der in diesem Raum Seinesgleichen begegnet, formt ihn auf diese Weise.

> Die ökonomischen und politischen Kräfte einer Gesellschaft sind Grundlage für die Entstehung und Transformation von Raummustern.

In seiner „Theorie des differentiellen Raums“ zeigt Lefèbvre, dass es „erkenntnistheoretisch keine nicht-räumliche soziale Realität [gibt], so wie es keinen nicht-sozialen Siedlungsraum geben kann“ (Schubert 2002, S.162).

Der relationale Raumbegriff
Die Idee des relationalen Raumes definiert Raum als eine „relationale (An)Ordnung von Menschen und sozialen Gütern“ (Löw zitiert nach OFUBb, S.2). Das, was Raum ausmacht, „Menschen und soziale Güter“, findet auf diese Weise bei der Betrachtung von Raum Berücksichtigung wobei der Begriff unter Einbeziehung der Beziehungen zwischen beiden in seiner Reichweite vergrößert wird (vgl. OFUBb, S.2).
 
Wie lässt sich die Entstehung von (sozialem) Raum beschreiben? Entsprechend der Idee vom relationalen Raum sei dieser das Produkt menschlichen Verhaltens (Kessl/Reutlinger, S.23). In Anlehnung an Weber wäre entsprechend sozialer Raum (relational) das Produkt sozialen Handelns.
 
Sozialräume sind damit grundsätzlich veränderbar. Diese Veränderbarkeit erwächst aus der Fähigkeit des Menschen sich zu bewegen und basiert auf der Notwendigkeit, sich als Mangelwesen interagierend-kommunikativ mit anderen Mangelwesen zu versorgen, um zu überleben. Die sozialräumliche Perspektive bezieht sich dabei nicht in erster Linie auf physisch-materielle Objekte (wie Orte, Plätze und Räume), sondern auf den von „Menschen konstituierten Raum der Beziehungen, der Interaktionen und der sozialen Verhältnisse“ (Kessl/Reutlinger, S.23). Die soziale Handlung besteht darin, „soziale Güter und/oder Menschen“ im Raum zu platzieren (vgl. Löw u.a., S.64f) und damit – relational - einen „subjektiv gemeinten Sinn“ zu verbinden. Dieses „spacing“, verstanden als „Errichten, Bauen und Positionierung“, hat als soziale Handlung auch symbolischen Charakter: Das Platzieren bzw. Einrichten einer Beratungsstelle im Stadtteil deutet in diesem Sinne nicht nur auf einen sozialen Raum hin, dessen BewohnerInnen Beratung benötigen (Hilfe und Etikettierung). Zudem weist diese Handlung auch auf die Handlungskompetenz der lokalen Politik bzw. Verwaltung hin (Definitionsmacht und Aktionsmacht): „Problem erkannt – Gefahr gebannt“. Raum wird durch soziales Handeln generiert, welches über den Akt des „spacing“ hinaus einen symbolischen Charakter hat, der auf den Raum zurück wirkt (vgl. ebd.). Dadurch wird deutlich, dass die Generierung von sozialem Raum auch das Ergebnis kognitiver Prozesse ist: „mittels Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Vorstellungsprozesse werden Güter und Menschen zu Räumen zusammengefasst“ (OFUBb, S.3). Ohne diese Fähigkeiten wäre der Mensch orientierungslos und sein Leben in Gefahr.

Durch „spacing“ werden Orte geschaffen, die „einen bestimmten Platz bezeichnen, der konkret benennbar und einzigartig, unverwechselbar ist“ (OFUBb, S.4). Dieser Ort kann Kristallisationspunkt unterschiedlicher sozialer Raumkonstellationen sein: Menschen erleben mit anderen Menschen gemeinsam oder in Bezug auf soziale Güter zu unterschiedlichen (Tages-)Zeiten ganz unterschiedliche Dinge. Die Konstante: der einzigartige Ort. Der soziale Raum: so unterschiedlich und individuell wie die Menschen die ihn erzeugen bzw. erleben.[5] 

„Mit Sozialraum werden somit der gesellschaftliche Raum und der menschliche Raum bezeichnet, das heißt der von den handelnden Akteuren (Subjekten) konstituierte Raum und nicht der verdinglichte Ort (Objekte)“ (Kessl/Reutlinger, S.23).

Die natürliche Welt wurde durch den Menschen im Zeitverlauf transformiert. Mit dem Auftreten des Menschen in sozialen Verbänden begann die soziale Produktion von Raum. Naturraum wurde ästhetisiert, später in Landschaft umgewandelt (Toskana). Das Verhältnis von Sozialraum zu Naturraum hat sich heute nahezu umgekehrt. Naturraum als Hetrerotopie, als der „ganz andere Ort“ (Foucault) existiert nicht mehr. Der Stadt-Land-Gegensatz hat sich ebenfalls aufgelöst (Schweiz). Dorf-, Haus- und Kiezgemeinschaften (door-to-door community) als die im 19. und 20. Jahrhundert dominierenden Netzwerke, wurden und werden zunehmend durch place-to-place communities – bedingt durch hohe (erwerbs- und habitatsbezogene) Mobilität und den Einsatz moderner Kommunikationstechniken - ersetzt bzw. ergänzt. Durch die Implementierung des Handys und mobiler Computertechnik wird eine noch weitergehende Loslösung des Individuums vom konkreten Ort möglich. Menschen berühren sich nur noch tangential, lernen sich nur noch ausschnitthaft kennen. Netzwerke werden dadurch wichtiger. Netzwerkkapital (Wellmann) wird zum lebenswichtigen Faktor bzw. zur überlebenswichtigen Ressource (vgl. Straus S. 7).

„Soziale Produktion urbaner Räume“
Mark Gottdiener lehnt sich in seinem Ansatz zur Erklärung der gegenwärtigen Situation in den Städten an die Theorie von Lefèbvre an. „Alle Raummuster und Designstile spiegeln danach den Status von historisch-zeitlichen Beziehungen zwischen Raum und der sozialen Organisation durch ökonomische, politische und kulturelle Werte wider“ (Schubert 2002, S.162). Im Einzelnen liefert Gottdieners Ansatz folgende Erklärungssätze (vgl. Schubert 2002, S.162f):

> Städtische Raummuster werden von Systemen der sozialen, gesellschaftlichen Organisation erzeugt. In diesem Prozess wirken ökonomische, politische und kulturelle Kräfte des Kapitalismus. Der Immobiliensektor hat eine Schlüsselfunktion bei der Vergegenständlichung der sozioökonomischen Entwicklung in Form von Raummustern in der Stadt.

> Die Raummuster sozialräumlicher Stadtorganisation bilden in ihrer Veränderung den Strukturwandel der sozioökonomischen Gesellschaftsorganisation ab.

> Die Entwicklung sozialräumlicher Muster ist neben Einflüssen des Privaten, durch nationalstaatliche Normen und Institutionen geprägt. Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern lassen sich damit erklären.

> Ideologien prägen die soziale Produktion von urbanem Raum, z.B. durch die kulturelle Fixierung auf ökonomisches Wachstum als prinzipielles Ziel für lokale Gebiete.

> Die wachsende Kluft zwischen Armut und Reichtum schlagen sich in den urbanen Raummustern nieder genauso wie die Externalisierung der Kosten des Stadtwachstums auf die Gebietskörperschaften.

Dass Gesellschaftsentwürfe die von ihren Exponenten für einen „großen Wurf“ gehalten werden, ihren räumlichen und entsprechend sozialräumlichen Niederschlag finden, spüren Menschen in ihrer Umwelt quasi auf all´ ihren Wegen: das ehemalige Römerlager, die Residenzstadt, die Großsiedlungen am Stadtrand, die eigens geplante Stadt. Neben der Stadtanlage werden innerhalb der Städte zudem besondere architektonische Zeichen gesetzt, die den spezifischen Geist der Zeit oder der jeweils raummächtigen Exponenten entsprechen. Spacing und/oder De-Spacing: Während z.B. in Peking oder in Sankt Petersburg die Stars der zeitgenössischen Architektur neue „Bauten des Bösen“ (Hosch) errichten, wird im ehemaligen Ost-Berlin der „Palast der Republik“ aus dem Real-Diorama des historischen Zentrum Berlins gelöscht. Macht muss sichtbar sein. Auch der Ost-Berliner Fernsehturm sendete genau dieses Signal in den Westen.

„Raumlasten“
Gesellschaftlicher Wandel verändert gerade die „Stadt“ mit ihren Räumen. Die gegenwärtig beobachteten globalen Transformationsprozesse verändern die Bedingungen des lokalen Lebens im sozialräumlichen Kontext fundamental. Hinzu kommen demographische Prozesse, Wanderungsbewegungen, konjunkturelle Einflüsse, die sich auf das struktur-funktionale System der Gesellschaft auswirken und über die Institutionen bis in die Lebenswelt des Einzelnen hineinreichen, die überwiegend in Städten leben. Daher wird über „die Krise der Städte“ (Heitmeyer u.a. 1998) gesprochen und über eine unter Umständen „bedrohte Stadtgesellschaft“ (Heitmeyer 2000). Segregation, Fragmentierung der Lebenswelten und Exklusionsprozesse werden konstatiert. Von politischer und sozialer Machtlosigkeit bei den Betroffenen ist die Rede, die menschenfeindliche Handlungen und Haltungen begünstigt (Anomie). Es wird gefragt, ob die Stadt ihrer Funktion als „robuste Integrationsmaschine“ (Häußermann 1997) noch nachkommen kann oder versagt (vgl. Heitmeyer u.a. 1998). Die „Stadtmaschine“ ächzt und quietscht unter den „Raumlasten“, die ihr die organisierte Moderne aufgebürdet hat (vgl. z.B. Knie/Marz). Zunehmend setzt sich die Überzeugung durch, dass Raum als Bedingung und Resultat sozialer Prozesse gedacht und erforscht werden muss. Es kommt zum spatial turn: „Der Erkenntnis, dass gesellschaftlicher Wandel ohne eine kategoriale Neukonzeption der räumlichen Komponente des sozialen Lebens nicht hinreichend erklärt werden kann“ (vgl. Löw u.a., S. 66).

Werden die Folgen gesellschaftlichen Wandels (sozial)räumlich bestimmt, vollzieht sich damit meist eine Lokalisierung verbunden mit neuen Grenzziehungen und damit verbundenen Distinktionen. Sozialräumliche Materialisierungen werden in „Raumbildern“ fixiert. Kessl/Reutlinger unterscheiden vier Raumbilder, die sowohl die gegenwärtige Rede vom Raum in der Sozialen Arbeit, als auch die, von ihnen abgeleiteten Handlungen im Rahmen einer Neujustierung im Sinne einer sozialraumorientierten Sozialstaatlichkeit, ihrer Ansicht nach prägen: der global-lokale Raum, der aufgewertete-abgekoppelte Raum, der (de)regulierte Raum und der riskante/sichernde Raum (vgl. Kessl/Reutlinger S. 88ff). Durch diese Identifizierung von Symptomträgern wird Handlung systematisch möglich und Sicherheit als Möglichkeit denkbar. Ergebnisoffenheit im Prozess re-definiert Erfolg schlicht als überprüfbares Vorgehen in einem definierten Kontext. Nicht mehr das Ankommen, sondern das reine Gehen ist hinreichend.

Bourdieu´s  Sozialraum
Der physische Raum, bzw. der angeeignete physische Raum umschließt Menschen und Dinge. Menschen und Dinge sind als Körper immer raum-zeitlich gebunden, d.h. im physischen Raum absolut lokalisierbar. Dieser Ort steht in Relation zu anderen Orten und ist daher als Position oder Rang in einer Ordnung begreifbar. Jeder, durch ein Individuum auf diese Weise eingenommene Platz, hat einen spezifischen Charakter, der sich in Ausbreitung, Volumen und Oberfläche ausdrücken lässt („Sperrigkeit“) (vgl. Bourdieu, S.117).

Der Sozialraum bringt sich im physischen Raum zur Geltung:

"Akteure [...] und ebenso die Dinge, insofern sie von den Akteuren angeeignet, also zu Eigentum gemacht werden, sind immer an einem konkreten Ort des Sozialraums angesiedelt, den man hinsichtlich seiner relativen Position gegenüber anderen Orten (drüber, darunter, dazwischen etc.) und hinsichtlich seiner Distanz zu anderen definieren kann. So wie der physische Raum durch die wechselseitige Äußerlichkeit der Teile definiert wird, wird der Sozialraum durch die wechselseitige Ausschließung (oder Unterscheidung) der ihn bildenden Positionen definiert, d.h. als eine Aneinanderreihung von sozialen Positionen." (ebd. S.117f)

Auf diese Weise bildet sich die (Sozial)Struktur einer (Stadt-) Gesellschaft im Sozialraum ab, wobei die Struktur des Sozialraums wiederum ihren Ausdruck in der physischen Räumlichkeit findet („spontane Symbolisierung des Sozialraums“).

"Der verdinglichte, d.h. physisch verwirklichte bzw. objektivierte Sozialraum präsentiert sich (...) als eine Verteilung verschiedener Arten von Gütern und Diensten wie auch individueller Akteure und Gruppen mit physischer Platzierung (im Sinne von dauerhaft ortsgebundenen Körpern). Je nach Kapitalausstattung und ihrer jeweiligen physischen Distanz zu diesen Gütern, die ja selbst kapitalabhängig ist, wachsen oder verringern sich die Chancen, in den Genuss dieser Güter und Dienste zu gelangen. In der Beziehung zwischen der Verteilung von Akteuren und der Verteilung von Gütern im Raum manifestiert sich der jeweilige Wert der unterschiedlichen Regionen des verdinglichten Sozialraums" (ebd. S.118).

"In einer hierarchisierten Gesellschaft gibt es keinen Raum, der nicht hierarchisiert wäre und nicht Hierarchien und soziale Abstände zum Ausdruck brächte" (Bourdieu, S. 118). Allerdings erfolgt dies nicht auf klare und eindeutige Weise, sondern "deformiert" und durch "Naturalisierungseffekte maskiert". Parallel zu diesen Naturalisierungseffekten wird die soziale Wirklichkeit in die natürliche Welt dauerhaft eingraviert ("dauerhafte Einschreibung“) (vgl. ebd.).

"Die Macht über den Raum, die Kapitalbesitz in seinen verschiedenen Varianten vermittelt, äußert sich im angeeigneten physischen Raum in Gestalt einer spezifischen Beziehung zwischen der räumlichen Struktur der Verteilung der Akteuren auf der einen und der räumlichen Struktur der Verteilung von Gütern und Dienstleistungen privater oder öffentlicher Herkunft auf der anderen Seite."

Und weiter:

"Die Position eines Akteurs im Sozialraum spiegelt sich in dem von ihm eingenommenen Ort im physischen Raum wieder (...), wie auch in der relativen Position, die er bei zeitlich begrenzten (...) und vor allem dauerhaften Platzierungen (...) im Verhältnis zu den Lokalisierungen der anderen Akteure innehat." (Bourdieu, S. 118)

Die Macht Raum zu nutzen, andere von der Raumnutzung auszuschließen, das Maß an eingenommenen Raum ("space consuming") den diese Besitztümer einnehmen, machen diese Raummacht öffentlich sichtbar.

Die Strukturen des Sozialraums weisen eine Beharrungskraft auf, die teilweise daher rühren, dass sie sich in den physischen Raum "einschreiben" und nur durch Neuplatzierung von Menschen und Dingen und unter dem dazugehörigen Aufwand und Kosten Strukturwandel/-änderung - auch oft gerade auf gesellschaftlicher Ebene - möglich ist. Die Ursachen für die jeweilige Situation in den Sozialräumen liegen für Bourdieu daher nicht „vor Ort“: "[Es] deutet alles darauf hin, dass das Wesentliche des vor Ort zu erlebenden und zu Sehenden, d.h. die erstaunlichsten Einblicke und überraschendsten Erfahrungen, ihren Kern ganz woanders haben" (Bourdieu, S.117).

Wer hat die Vorstädte geplant? Nicht die heutigen BewohnerInnen. Wem gehören die Häuser in den Sanierungsgebieten? Nicht den BewohnerInnen. Gleichwohl gilt: Die Strukturen der Gesellschaftsordnung werden als Raumerfahrung erlebt und erlernt und (körperlich, durch Bewegung und Ortswechsel des Körpers) erfahren. Sie werden als gegeben angenommen (Naturalisierungseffekt) und zu sich selbst und der eigenen Biografie in Beziehung gesetzt: gesellschaftlicher/sozialer Aufstieg, Abstieg, Eintritt, Austritt, Annäherung, Entfernung (vgl. S.119f).

Kommt es zu einer Verbindung/Beziehung von Sozialraumstruktur und Denkstruktur, so wird „Raum“ zum Ort von Machtbehauptung und -manifestation.

Gerade im Kontext der Macht im Raum wird symbolische Gewalt zu einem wirksamen Instrument aufgrund ihrer subtilen Qualität. Sie bleibt in ihrer Wirksamkeit weitgehend unbemerkt. Wir erleben Machtarchitektur als natürlich, sie prägt unsere Denkstrukturen, sie wirkt durch ihr „space consuming“ auf unsere Mobilitätsmöglichkeiten. Dadurch unterwirft sie oder erhöht den Betrachter. Im exklusiven inneren Raum wird Unterwerfung unter die „Hofetikette der Macht“ gefordert und zu schlichten Notwendigkeit, wenn man für sich oder andere was in diesem Kontext erreichen will.

Das verweist auf die „Tiefenstruktur des Raumes“. Das heißt: In i) den physischen, also erlebbaren und sichtbaren Raum sind ii) Handlungs – und Verhaltensmöglichkeiten (erlaubt/nicht erlaubt), iii) juristische Regelungen (Eigentumsverhältnisse, Nutzungserlaubnis etc.) und iiii) Symbole (einer Architekturepoche, ethnischer Gruppen, Lifestyleszenen, Handwerkergruppe usw.) eingeschrieben (vgl. Läpple, S. 157ff). Diese Struktur müssen wir lesen lernen. Wir interpretieren sie unterschiedlich, „aufgrund der uns eigenen Mischung aus Kollektivität (als Mitglieder einer Lebensstilgruppe) und Individualität bzw. Subjektivität (durch Alter, Geschlecht, Bildung oder Herkunft) (Schmals, S.107). Dennoch ist das Wissen um die Raumstruktur Grundlage für eine (Wieder?)Aneignung urbaner Räume.

 

3  Praktische Relevanz des Begriffes für die Sozialarbeit im Wohnquartier

Das Wohnquartier stellt den physischen Nahraum der Einwohnerschaft in einem mehr oder weniger genau räumlich definierten Gebiet dar. Mit der Anwesenheit und Verteilung von Symbolen, Kapitalien und Personen ist dieser Raum für das Individuum und seine Existenz von mehr oder weniger großer Bedeutung. Soziodemografisches (Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit usw.) spielt dabei (zunächst) keine Rolle.

Mit Bourdieu ist Kapitalbesitz der entscheidende Faktor bei der vorfindbaren Ausstattung sozialer Räume. Soziales, ökonomisches und kulturelles Kapital lässt sich in seiner Verteilung in den jeweils gebildeten Sozial(-struktur abbildenden) -räumen beschreiben. Die Realisierungschancen individueller Projekte steht in Abhängigkeit des Vorhandenseins bzw. der Verfügbarkeit (für den Einzelnen bzw. für eine Gruppe) dieser Ressourcen.

Bezogen auf Handlungsmöglichkeiten im Stadtteil oder im Quartier ist allerdings festzuhalten, dass z.B. räumliche Segregation und eine entsprechend ungünstige Kapitalienverteilung bei den Individuen zusammentreffen können (vielleicht in Banlieus). Das muss aber so nicht sein. Dass die Ursachen für eine wie auch immer geartete Situation im Stadtteil nicht vor Ort begründet ist (Bourdieu), liegt in der Regel auf der Hand. Die Befangenheit (oder Gefangenheit) in dieser Situation ist individuell und kann für das Individuum problematisch werden.

Alle Akteure (auch die, die sich im Stadtteil nicht zeigen) wirken auf den Raum ein und umgekehrt. Sie konstruieren ihn (konstruktivistischer Blick). Aber: nicht alle gesellschaftlichen Gruppen im Stadtteil haben die gleichen Chancen aktiv mitzugestalten (es gibt eine Ordnung/Struktur). Daher fällt der Blick auf die konkrete ökonomische Ausstattung „benachteiligter Gruppen“ (materialistischer Blick).

So lange im Stadtteil alles im „grünen Bereich“ läuft, entsteht außerhalb bestehender Planungszyklen von Seiten der Institutionen kein Handlungsbedarf. Erst wenn aus vermeintlich privaten Problemen öffentliche (gemacht) werden, entsteht institutionalisierter Handlungsbedarf. Der Stadtteil wird zu einem „Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf“, in dem es „überforderte Nachbarschaften“ und „Brennpunktschulen“, hohe Arbeitslosigkeit und „Parallelwelten“ gibt. Die öffentliche Definition privater Probleme wird handlungsleitend im Hinblick auf Interventionen (von außen, aber auch aus dem Stadtteil heraus) und verwandelt bisherigen Alltag der BewohnerInnen in einen Ausnahmezustand.

(Wieder-)Aneignung urbanen Raumes
Im Grunde soll Raum wieder angeeignet werden. Mit dem Etikett („Soziale Stadt“) wird offenbar, dass spezifischer topografischer Raum, also „Orte und Plätze des verdinglichten Sozialraums" (Bourdieu), wieder angeeignet bzw. zurück erobert werden sollen. Die Zeit vor der Etikettierung, d.h. die Zeit der „Vernachlässigung“ bleibt, also die Frage nach den Ursachen für diese gegenwärtig problematische Ordnung, wie eine kritische Reflexion überhaupt, dabei meist ausgespart. Wer hat sie und warum wurden sie, die Bau- und Planungssünden, begangen? Und: Wer hat daran verdient? Vernachlässigung? Wie konnte das geschehen?

Natürlich: Die „Orte und Plätze des verdinglichten Sozialraums“ werfen Profite ab. Lage, Ausstattung, Umgebungsqualität: Den Raum zu beherrschen (basierend auf der materiellen oder symbolischen Aneignung der seltenen öffentlichen oder privaten Güter, die sich in ihm verteilt finden) hängt vom Kapitalbesitz ab. Von ihm zu profitieren auch.

Der Staat verfügt über eine große Macht über den Raum.

"Diese [die französische; mmj] Wohnungsbaupolitik hat vor allem mittels der Steuergesetzgebung und Wohneigentumsförderung buchstäblich eine politische Konstruktion des Raumes [Hervorhebung im Original; mmj] bewirkt. In dem Maße, in dem sie die Konstituierung homogener Gruppen auf räumlicher Basis gefördert hat, ist diese Politik zu einem guten Teil für all das verantwortlich, was sich in den heruntergekommenen Mietblöcken und den vom Staat aufgegebenen Banlieus heute unmittelbar zeigt." (Bourdieu, S.123)

Auch in Deutschland gibt es die Bauten, die in Anlehnung an die „Charta von Athen“ errichtet wurden überall. Dennoch brennen hier (noch) nicht die Straßen. Daher ist für eine substantielle Analyse der Situation vor Ort Bourdieus fordernde Folgerung zu beherzigen: "Man kann mit den falschen Plausibilitäten und der substantialistischen Verkennung von Orten nur mittels einer stringenten Analyse der Wechselbeziehungen zwischen den Strukturen des Sozialraums und jenen des physischen Raumes brechen" (ebd.).

Eine Aneignung des Raumes erfolgt nach Bourdieu grundsätzlich im Konflikt. Die initiierte Wieder-Aneignung ebenso? Ein Erfolg dieser Bestrebungen scheint v.a. im Bereich der symbolischen Aneignung des Raumes, vor allem des öffentlichen physischen Raumes, unter Duldung möglich. Materieller Kapitalbesitz wird bei Behandlung dieser Probleme kaum verhandelt. Eine Rückeroberung stellt zudem die Frage danach, wer jetzt in den betreffenden Räumen das Sagen hat (Gewaltmonopol des Staates?) und wer den Raum konkret einfordert. Und selbstverständlich: Wer etwas zurückerobert, muss es auch halten können in Anbetracht struktureller Ursachen lokalisierter Problemlagen (es sei daran erinnert: Ursache ≠ Symptomträger).

Sozialraumarbeit erfordert Haltung
Für die Soziale Arbeit fordern Kessl/Reutlinger die Verbindung materieller Orientierung mit der konstruktivistischen zu einer „Sozialraumarbeit“ auf Grundlage einer „reflexiven räumlichen Haltung“ (vgl. Kessl/Reutlinger S.126ff). Dabei geht es ihnen um drei Dinge: um 1) eine ergebnisoffene „systematische Kontextualisierung des jeweiligen Handlungsraumes“ unter Einbeziehung aller Beteiligten (Ausloten von Grenzen und Möglichkeiten durch Interessen- und Machtanalyse, Unterscheidung von Gewolltem und Nicht-Gewolltem), um 2) eine „notwendige (politische) Positionierung“, um den Dilemmata raumbezogenen Vorgehensweisen (Homogenisierungs-, Präventions-, Vernetzungs- und Milieudilemma) zu entgehen und um 3) einer Klarstellung, dass Sozialraumarbeit nicht generell gut ist oder immer auf der richtigen Seite steht. Sozialraumarbeit habe sich vielmehr gegenüber den Akteuren zu legitimieren. Sie will keine Alternative zur Sozialraumorientierung der Jugendhilfe sein, sondern versteht sich als Reflexionsrahmen. Die spezifische reflexiv-räumliche Haltung soll Orientierung sein bei der Ent- bzw. Weiterentwicklung raumbezogener Konzeptionen. Der dabei stattfindende Verortungsprozess macht die Positionen der beteiligten Akteure deutlich. Daraus erwächst die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Handlungsstrategien, die neue Positionierungspotentiale mit sich bringen. Ein quasi reflexiver Prozess bei dem der Ort eine Verhandlungsressource darstellt. Sozialraumarbeit bedeutet für Kessl/Reutlinger die „explizite und transparente Positionierung“ innerhalb der stattfindenden Aushandlungsprozesse.

Dieses Programm solle zum Repertoire der Profession der Sozialen Arbeit werden, nicht nur in den „problembelasteten“ Stadtteilen, sondern ganz allgemein, da mittlerweile das „Feld selbst zum Fall geworden“ ist (vgl. Kessl, S.11)

Zivile Urbanität
Schmals entwirft vor dem Hintergrund der Desintegrationstendenzen in den Stadtgesellschaften das Konzept einer „zivilen Urbanität“. Sie wird verstanden als ein gesellschaftlich auszuhandelnder Raum, der als Prozess in bestimmbaren Kontexten gegenwärtig stattfindender Kommunikationen auffindbar ist. So zeigt sie sich in einer „Kultur der Differenz“ (Anerkennung von Vielfalt) genauso wie in der Anerkennung von „Konflikt und Konsens“ als Element produktiver Aushandlungen. Hinzu kommt die „Anerkennung von Rechten“ in Konflikten sowie eine Re-Positionierung von planerischer Administration in die Stadtteile bzw. in die Öffentlichkeit („Atemluft ziviler Gesellschaften“), dem auch durch eine nicht ausschließende Sprachwahl Rechnung getragen werden soll. Ferner sollte der Bürger und die Bürgerin in den Stand versetzt werden, die Angelegenheiten zu regeln, die sie angehen. Hier sind Beteiligungsstrukturen zu schaffen, die bei der Errichtung „ziviler Infrastrukturen“ unterstützen. Das Konzept der zivilen Urbanität stellt sich bewusst gegen Parteienpolitik, Unternehmerinteressen und Medienkommerz.

„Durch das gemeinsame Lernen von Bausteinen ziviler Urbanität, durch das Verstehen ihrer Wechselwirkungsverhältnisse und die gemeinschaftsorientierte Überprüfung individueller Interessen kann Gesellschaft insgesamt auf das Niveau gebracht werden, Demokratie zu verstehen und als `zweite Moderne´ mitzugestalten. [...] Dabei werden nicht nur endogene Potentiale der Gesellschaft aktiviert, sondern auch zivile Kultur gestärkt und so ein Klima für die Entfaltung ziviler Urbanität geschaffen“ (Schmals, S.420).

Raumbilder transparent machen
Grundsätzlich ist es unabdingbar, im Rahmen des Diskurses bezüglich notwendiger Maßnahmen die Gesamtstadt oder den einzelnen Stadtteil betreffend, auch das Raumbild zu thematisieren, das den jeweiligen Stadtentwicklungsstrategien zu Grunde liegt. Bourdieus Sozialraumkonzept hat vor allem analytischen Charakter. Es hilft uns dabei zu verstehen, was im Sozialraum - verstanden als relationaler Raum bezogen auf die Gesamtstadt, genauso wie auf den Stadtteil in Relation zur Gesamtstadt oder anderen Stadtteilen – an Menschen , Gütern, Dienstleistungen usw. vorfindbar ist bzw. was der Sozialraum gesellschaftlich abbildet und warum. Aus der Verteilung der Elemente aber eine unmittelbare Handlungsnotwendigkeit abzuleiten erscheint unzulässig. So erzeugt Armut nicht zwangsläufig Gewalt oder ein hohes individuelles Bildungsniveau individuellen Reichtum.

Homogenitätsvorstellungen von Raum (Armut, Arbeitslosigkeit, Migrationshintergrund usw. und die genaue Abgrenzbarkeit eines Stadtteils als finites Territorium) prägen z.B. das dem Bundes-Programm „Soziale Stadt“ zu Grunde liegende Raumbild. Definitionsmacht macht hier handlungsfähig. Wird bzw. wurde Quartiersmanagement mainstream im Kontext von Stadtentwicklung? 

Andere Ansätze wollen die lokale Ökonomie stärken, indem sie basale menschliche Assoziationen rekonstruieren, um neue Handlungsfähigkeit (und Überlebensfähigkeit) bei „Globalisierungsverlieren“ auf lokaler Ebene zu ermöglichen.

Wieder andere versuchen über die Mobilisierung zivilgesellschaftlicher Kräfte in den Stadtteile eine neue Verantwortungskultur zu entwickeln (zivile Urbanität).

Schließlich sei die Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe erwähnt, für die sich Sozialraum als sozialer Nahraum versteht: „... ein Gefüge mehr oder minder dauerhafter sozialer Beziehungen, in die eine Person einbezogen ist“ (11. Kinder und Jugendbericht, S.122). Familie steht für das Kind im Zentrum sozialräumlicher Orientierung. Je älter es wird, umso weiter ziehen sich im Idealfall die Kreise sozialer Netze um das Kind, ausgehend von seine Familie, herum (informelle und organisierte Netze). Beziehungen spielen bei diesem Raumbild die entscheidende Rolle. Allerdings dominiert im Kinder- und Jugendhilfekontext die Vorstellung der kompetenten Familie als zentrale Sozialisationsinstanz. Nutzung und Anpassung des sozialen Nahraums sind bei der Sozialraumorientierung Instrumente zur Wiedererlangung von Kompetenzen in den Familien zur Erfüllung ihrer Aufgaben.

4  Ausgang

„Raum“ umgibt den Menschen in mehreren Dimensionen. Der Mensch lebt darin, gestaltet ihn. Und: „Raum“ wirkt auf den Menschen zurück. Jeder Mensch lebt einzigartig in und mit seinen räumlichen Bezügen. Er generiert seinen Raum mittels sozialem Handeln. Er platziert soziale Güter oder Menschen in seinem, ihn umgebenden Raum („Spacing“) und verbindet damit einen Sinn (Weber). Der Mensch erschafft bzw. erlebt Räume, indem er für ihn sinnvolle Orte mittels Symbole generiert bzw. erkennt und dann zu einem Raumbild vernetzt. Sozialer Raum kann so auch als Ergebnis kognitiver Prozesse verstanden werden: ohne die Fähigkeit des Menschen wahrzunehmen, zu erinnern oder sich etwas vorzustellen, gäbe es keinen sozialen Raum und der Mensch wäre orientierungslos.

Der Prozess der Schaffung von sozialen Räumen erfolgt ständig und wird wesentlich von den gesellschaftlichen Systemen (Wirtschaft, Politik, Kultur) geprägt. Daher spiegeln die beobachtbaren sozialen Raummuster den gesellschaftlichen Wandel wider.

Das Konstrukt Sozialraum kann dabei helfen, sowohl institutionell-politisch als auch zivil-gesellschaftlich in kommunionsorientierten Verfahren (bi- und multilateral) nach Wegen zu suchen (und zu finden), das Zusammenleben im (urbanen) Raum auf Grundlage geltender Regeln des Zusammenlebens zu ermöglichen. In diesem Kontext sind die verwendeten Raumbilder stets transparent zu machen und auf Alternativen hinzuweisen. Insofern ist Sozialraum ein politischer Begriff.

Literatur
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Anmerkungen
[1] Siehe beispielweise bei Leonardo da Vinci (Proportionsstudie) oder bei Le Corbusier („Modulor“).

[2] Vgl. zum Wandel in der Perspektive z.B. Asendorf

[3] Le Corbusier, Aircraft. New York: Universe Books, 1988 (reprint of a 1935 English edition.)

[4] Obwohl gerade in Berlin an verschiednen Orten noch aktive „Spuren“ des „Neuen Bauens“ und der „Stadt von morgen“ zu sehen sind, gibt es aktuell dazu in der Akademie der Künste eine Ausstellung zum Hansaviertel.

[5] Ein interessantes Beispiel für ein solches spacing sozio-kultureller Art stellt die Aktion „Face2Face“ des Fotografen JR dar. Überlebensgroße Fotos von Palästinensern und Israelis in Nahaufnahme und „lächerlichen“ Posen, angebracht im öffentlichen Raum auf beiden Seiten der „Mauer“, sollen die verfeindeten Gruppen als Zwillinge, als Kinder derselben Mutter zeigen, die in unterschiedlichen Familien aufgewachsen sind. Menschen sollen wieder miteinander ins Gespräch kommen, indem sich wieder ins (übergroße) Gesicht sehen und ihren Bruder oder ihre Schwester wieder-erkennen. Das Projekt im Internet: http://www.face2faceproject.com


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